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Donnerstag, 15. Februar 2018

Vergaberecht - Veröffentlichung der Bewertungsmethode

Würde man einen Wettbewerb im Bogenschießen, bei dem die Zielkreise erst eingesetzt werden, nachdem die Pfeile geschossen wurden als fair ansehen? Oder würde man einen Wettbewerb im Bogenschießen, bei dem die Zielkreise nur sehr unscharf durch Nebel fast verborgen sind als fair ansehen? Würden bei einem solchen Wettbewerb die Grundsätze von Transparenz, Gleichbehandlung und Wettbewerb gelten? Sicherlich nein!

Ein solcher Wettbewerb im Bogenschießen ist analog übertragbar auf ein Vergabeverfahren, bei dem die Angebote der Bieter die Pfeile sind und die Zielkreise die Zuschlagsbewertung. Umso mehr verwundert es, das immer wieder die Ansicht vertreten wird, dass die Bewertungsmethode (Zuschlagsformel) sowie die Notenskala nicht vorab veröffentlicht werden müssten und dass Notenskalen und Zuschlagsformeln keinen Einfluss auf das Zuschlagsergebnis hätten.

Nach Ansicht des EuGH ist eine Veröffentlichung der Bewertungsmethode nicht zwingend vorgeschrieben (EuGH, Urteil v. 14.7.2016 - Rs. C-6/15). Allerdings schränkt der EuGH dies auf Fälle ein, in denen die Wahl der Bewertungsmethode keinen Einfluss auf die Gewichtung der Zuschlagskriterien hat.

Wie der Autor allerdings zeigen konnte (Die Gewichtung von Preis und Leistung - scheinbare vs. wahre Gewichtung; Mathematische Modelle zur Angebotswertung im Vergaberecht), hängt die wahre Gewichtung aber von der Zuschlagsformel einer Bewertungsmethode ab. Mithin hat die Wahl der Bewertungsmethode grundsätzlich einen Einfluss auf die Gewichtung. Öffentliche Auftraggeber sind deshalb im Ergebnis gut beraten, die Bewertungsmethode mit den Ausschreibungsunterlagen zu veröffentlichen.
  1. Ferber, Mathematische Modelle zur Angebotswertung im Vergaberecht, (noch nicht veröffentlicht)
  2. Ferber. Die Gewichtung von Preis und Leistung - scheinbare vs. wahre Gewichtung - Teil II, Vergabe Navigator 2/2018 (noch nicht veröffentlicht).
  3. Ferber. Die Gewichtung von Preis und Leistung - scheinbare vs. wahre Gewichtung - Teil I, Vergabe Navigator 1/2018.
  4. Ferber. Die Unschärferelation und der Zuschlag, Vergabe Navigator 4/2017.
  5. Ferber in Müller-Wrede, Malte (Hrsg.), VgV/UVgO-Kommentar. § 58 VgV, Rn. 73ff.;





Freitag, 6. Oktober 2017

Ermittlung des besten Preis-Leistungs-Verhältnisses

Die Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots erfolgt auf der Grundlage des besten Preis-Leistungs-Verhältnisses  und kann als die Angemessenheit eines Preises oder der Kosten im Vergleich zur Leistungsstärke des Angebots interpretiert werden.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis beantwortet die Frage, welches Mehr an Leistung welches Mehr an Preis rechtfertigt.  Um dies objektiv beantworten zu können, muss das Preis-Leistungs-Verhältnis durch eine mathematische Formel, die Zuschlagsformel einer Bewertungsmethode, dargestellt werden. Die Zuschlagsformel berücksichtigt die Angebotspreise bzw. eine Angebotsgesamtkostenbetrachtung in Euro sowie die Leistungsstärke (Qualität, Nachhaltigkeit, Innovation etc.) der Angebote in Leistungspunkten und ermittelt daraus eine Kennzahl, die die Wirtschaftlichkeit (Preis-Leistungs-Verhältnis) des Angebots repräsentiert.

Für die Zuschlagsbewertung spielen sowohl die Notenskalen der Zuschlagskriterien als auch die Bewertungsmethode immer eine Rolle und müssen zusammen betrachtet werden. Durch die Notenskalen werden die Zuschlagskriterien der Angebote auf ein numerisches System (Zahlen) abgebildet. Die Bewertungsmethode (Zuschlagsformel) ermittelt daraus das wirtschaftlichste Angebot.

Eine ausführliche Kommentierung zu § 58 Abs. 2 S. 1 VgV "Die Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots erfolgt auf der Grundlage des besten Preis-Leistungs-Verhältnisses."findet sich in dem aktuell im Bundesanzeiger Verlag erschienen VgV/UVgO-Kommentar.




1. Quotient aus Leistungspunkten und Angebotspreisen (Bewertungsklasse II)
a) Einfache Richtwertmethode
b) Einfache Richtwertmethode mit Gewichtungsfaktor
c) Erweiterte Richtwertmethode

2. Umwandlung von Angebotspreisen in Preispunkte (Bewertungsklasse III)
a) Lineare Interpolation zwischen dem günstigsten Angebot und einem fiktiven doppelt so teuren Angebot
b) Lineare Interpolation zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot
c) Lineare Interpolation mit Spannen um einen Mittelwert
d) UfAB-II-Methode/Preisquotientenmethode
e) Anwendung einer Ordinalskala - Preisstufenmethoden
f) GHV-Mittelwertmethode

3. Bewertungsklasse IV (gewichtete Richtwertmethoden)
gewichtete Richtwertmethode mit Referenzwert (Referenzwertmethode)
gewichtete Richtwertmethode mit Median (Medianmethode)
gewichtete Richtwertmethode mit Mittelwert (Mittelwertmethode)

4. Veröffentlichung der Bewertungsmethode
 
5. Notenskalen

6. Mindestanforderungen und Preisobergrenzen


VgV/UVgO-Kommentar
ISBN: 978-3-8462-0556-3
5. völlig neu bearbeitete Auflage
2017, 2420 Seiten,
16,5 x 24,4 cm,
Buch (Hardcover)
bis zum 31.11.2017 gilt ein Vorzugspreis von 149,00 Euro (inkl. MwSt.); danach ein Preis von 189,00 Euro (inkl. MwSt.).
Sie können den Kommentar in jeder Buchhandlung oder direkt beim Bundesanzeiger-Verlag bestellen.

Samstag, 29. Juli 2017

Lineare Interpolationsmethoden im Vergabeverfahren

Bei Ausschreibungen, bei denen Preis und Leistung mit einer unterschiedlichen Gewichtung bewertet werden sollen, gehört die lineare Interpolation mit zu den beliebtesten Methoden bei der Umwandlung von Angebotspreisen in Preispunkte. Die lineare Interpolation ist allerdings durch den Aufsatz von Bartsch/von Gehlen, NZBau 2015 sowie dem nicht rechtskräftig gewordenen Beschluss der VK Südbayern (30.8.2016 – Z3-3-3194-1-28-07/16) stark in die Kritik geraten. In der Vergabepraxis stellt sich die Frage, ob diese Methoden überhaupt noch angewendet werden dürfen?

Einleitung

Die linearen Interpolationsmethoden gehören zu einer Klasse von Bewertungsmethoden (Zuschlagsformeln) bei denen aus der Summe eines gewichteten Leistungsterms und eines gewichteten Preisterms eine Gesamtpunktzahl ermittelt wird. Dazu werden die Angebotspreise durch eine Transformationsformel in Punkte umgewandelt (transformiert).



Die lineare Interpolation dient dabei der Transformation der Angebotspreise in Preispunkte. Da in dieser Bewertungsklasse Preis- und Leistungsterm mit Gewichtungsfaktoren versehen sind, können Preis und Leistung mit unterschiedlichen Gewichten in die Bewertung einfließen.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm

Zur besseren Veranschaulichung der Zusammenhänge zwischen Preisterm, Leistungsterm und deren Gewichtung kann die Angebotsbewertung bei den Bewertungsmethoden der Bewertungsklasse III durch ein gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm dargestellt werden (Ferber, Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, S. 128 ff.).

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm

Bei einem gewichteten Preis-Leistungsdiagramm wird jedes Angebot durch eine Gerade dargestellt. Jedes Angebot hat einen Angebotspreis und erhält durch eine Bewertung auch eine Leistungspunktzahl. Die Leistungspunktzahl wird in die rechte senkrechte Achse (Leistungsterm) im gewichteten Preis-Leistungsdiagramm eingetragen.

Der Angebotspreis wird gemäß der durch die Bewertungsmethode vorgegeben Transformationsformel in Preispunkte umgerechnet. Die so ermittelte Preispunktzahl wird in der linken vertikalen Achse (Preisterm) eingetragen.

Die beiden Punkte werden durch eine Gerade verbunden und stellen das Angebot dar. Für die Bestimmung der Kennzahl (Gesamtpunktzahl) besteht ein sehr anschaulicher geometrischer Zusammenhang: Bewegt man den „Gewichtungsregler“ auf der horizontalen Achse, kann man die Gesamtpunktzahl direkt am Schnittpunkt der Messskala mit den Angebotsgeraden ablesen.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm


Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm

Lineare Interpolation

Bei der linearen Interpolation werden zwei gegebene Punkte (Stützstellen) durch eine Gerade verbunden. Die Werte dazwischen werden mittels der Geradengleichung zwischen den beiden Stützstellen bestimmt.



Die lineare Interpolation gehört zu den einfachsten Interpolationsmethoden und hat die Eigenschaft, dass ein linearer Zusammenhang zwischen dem Angebotspreis und der ermittelten Preispunktzahl, innerhalb des durch die beiden Stützstellen vorgegebenen Intervalls, besteht. Eine ungeschickte Wahl der Stützstellen kann allerdings zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. Aus diesem Grund sind nicht alle linearen Interpolationsmethoden für die Vergabeverfahren zu empfehlen. In der Vergabepraxis findet man unter anderem die folgenden Ausprägungen der linearen Interpolationsmethode, die sich durch die Wahl der beiden Stützstellen unterscheiden.





Der Aufsatz Lineare Interpolationsmethoden im Vergabeverfahren behandelt die verschiedenen in der Vergabepraxis vorkommenden Formen der linearen Interpolation und zeigt auf, dass die lineare Interpolationsmethode mit den beiden Stützstellen "günstigster Preis" und "zweifaches des günstigsten Preises" unter Vorgabe von Mindestleistungspunktzahlen und Preisobergrenzen im Allgemeinen eine stabile und anwendungstaugliche Bewertungsmethode ist und nicht im Widerspruch zum Begriff des Preis-Leistungs-Verhältnisses steht.

Des Weiteren wird gezeigt warum Methoden, die eine lineare Interpolation um den Median oder den Mittelwert (arithmetisches Mittel) der Angebotspreise durchführen, bei denen einer oder beide Stützwerte der Interpolationsgeraden variabel einstellbar sind oder die auf der Preisspanne zwischen billigstem und teuersten Angebot basieren, in der Regel zu Wettbewerbsverzerrungen führen und keine Anwendung finden sollten.

Der Aufsatz kann als Preprint direkt beim Autor angefordert werden: preprint@praxisratgeber-vergaberecht.de

Literaturhinweise:
  1. Ferber. Lineare Interpolationsmethoden im Vergabeverfahren.
  2. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 08/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
  3. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  4. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  5. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  6. Ferber. Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016. 
  7. Ferber. Ein neuer Begriff von Wirtschaftlichkeit, Vergabe Navigator, Heft 3/2016, S. 5-10.
  8. Ferber. Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, (ISBN 978-3-8462-0471-9), 10/2015 Bundesanzeiger Verlag.

Seminar Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Das Seminar Praxisratgeber Vergaberecht - Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen behandelt die Besonderheiten der Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen in Vergabeverfahren:
  • Welche Kriterien sind neben dem Preis möglich und erlaubt? 
  • Transparenzgebot 
  • Die richtigen Kriterien finden, Wirtschaftlichkeit der Angebote 
  • Ausschlusskriterien, Bewertungskriterien, 
  • Gewichtung von Kriterien 
  • Preis-Leistung 
  • Richtwertmethode, erweiterte Richtwertmethode, gewichtete Richtwertmethode 
  • Mittelwertmethode, Medianmethode, Referenzwertmethode 
  • Interpolationsmethoden, Preisquotientenmethode
  • Vor- und Nachteile, Besonderheiten der verschiedenen Methoden, Störanfälligkeit und Stabilität der Methoden 
  • Erstellen von Bewertungsmatrizen, Notenskalen 
  • Vermeiden von Komplexität, Analyse von Bewertungsmatrizen 
  • Auswertung mit Hilfe von Bewertungsmatrizen 
  • Rechtsprechung Beispiele und Tipps für die Praxis



Die Vorteile der Seminarreihe Praxisratgeber Vergaberecht:
  • anschauliche und realitätsbezogene Darstellung
  • aktuelle Beispiele und Tipps aus der Praxis
  • kleine Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern
  • Zeit für Fragen und Diskussionen
  • umfangreiche Seminarunterlagen als PDF

Weitere Informationen zum Seminar und die Möglichkeit zur Anmeldung:

http://praxisratgeber-vergaberecht.de/seminar-bewertungsmatrizen.html




Die nächsten Termine:
14.09.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
21.09.2017 Berlin: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
28.09.2017 Köln: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
26.10.2017 Darmstadt: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
14.12.2017 Darmstadt:  Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Buch Bewertungskriterien und -matrizen im Vergaberecht



Thomas Ferber
Bewertungskriterien und -matrizen im Vergaberecht
ISBN: 978-3-8462-0471-9
458 Seiten (Hardcover)
79,00 Euro (inkl. MwSt)
Bundesanzeiger Verlag

Direkt beim Bundesanzeiger Verlag bestellen.










Donnerstag, 24. November 2016

Die lineare Interpolationsmethode im Vergabeverfahren

Soll in einem Vergabeverfahren neben dem Angebotspreis auch die Leistung in Form von Leistungspunkten berücksichtigt werden, dann kann die Wirtschaftlichkeit nur über die Zuschlagsformel einer Bewertungsmethode ermittelt werden. Und hier muss der Auftraggeber im Vorfeld eine bewusste Entscheidung für eine Bewertungsmethode treffen.

Eine gängige und beliebte Bewertungsmethode bei Vergabeverfahren ist die Umrechnung der Angebotspreise in Preispunkte durch eine lineare Interpolation bei der der günstigste Angebotspreis die maximale Preispunktzahl erhält und ein fiktives Angebot mit einem Angebotspreis vom Zweifachen des günstigsten Angebotspreises 0 Preispunkte erhält, dazwischen wird linear interpoliert. Angebote, die teurer als das fiktive Angebot sind, erhalten ebenfalls null Preispunkte.




Für die Zuschlagsentscheidung wird eine Gesamtpunktzahl aus der Summe der gewichteten Leistungspunkte und der gewichteten Preispunkte betrachtet.



Da in dieser Bewertungsklasse Preis- und Leistungsterm mit Gewichtungsfaktoren versehen sind, können Preis und Leistung mit unterschiedlichen Gewichten in die Bewertung einfließen. Soll z. B. dem Preis eine deutlich größere Bedeutung bei der Wertung zukommen, so könnte eine Gewichtung des Preises mit 70 % und eine Gewichtung der Leistung mit 30 % wünschenswert sein. Auch der umgekehrte Fall ist denkbar, bei dem die Leistung stärker Berücksichtigung finden soll und der Preis mit 30 % und die Leistung mit 70 % gewichtet werden soll.

Beispiel

Gewertet werden sollen drei Angebote mit den folgenden Angebotspreisen und Leistungspunkten.


Das preisgünstigste Angebot A erhält die maximale mögliche Preispunktzahl von 100 Punkten. 0 Punkte erhält ein fiktives Angebot mit dem Doppelten des niedrigsten Angebotspreises. Dazwischen wird linear interpoliert. Grundsätzlich gilt bei dieser Methode im Bereich der Angebotspreise zwischen dem niedrigsten Angebotspreis und dem 2-fach niedrigsten Angebotspreis der einfache Zusammenhang: Ein x% vom niedrigsten Angebotspreis teureres Angebot erhält x% weniger Preispunkte.

Transformation der Angebotspreise in Preispunkte durch Interpolation

Gewichtung von 60% Preis und 40% Leistung

Gewichtung von 60% Preis und 40% Leistung

Bei einer Gewichtung von 60% Preis und 40% Leistung erhält Angebot A (rot) mit einer Gesamtpunktzahl von 84 Punkten den Zuschlag.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm


Gewichtung von 40% Preis und 60% Leistung


Gewichtung von 40% Preis und 60% Leistung
Bei einer Gewichtung von 40% Preis und 60% Leistung erhält Angebot B (grün) mit einer Gesamtpunktzahl von 79,5 Punkten den Zuschlag.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm

Gewichtung von 35% Preis und 65% Leistung


Gewichtung von 35% Preis und 65% Leistung
Bei einer Gewichtung von 35% Preis und 65% Leistung erhält das leistungsstärkste Angebot C (blau) mit einer Gesamtpunktzahl von 81,2 Punkten den Zuschlag.

Gewichtetes Preis-Leistungs-Diagramm
Literaturhinweise:
  1. Ferber in: Müller-Wrede, Malte (Hrsg.). VgV Kommentar (ISBN 978-3-8462-0556-3), 01/2017, § 58 Abs. 2 S. 1 VgV.
  2. Schäffer/Ferber. Zur (Un-)Zulässigkeit gängiger Wertungsmethoden, Vergabe Fokus 6/2016.
  3. Ferber. Vor- und Nachteile verschiedener Wertungssysteme, Vergabe Fokus 6/2016.
  4. Ferber. Das Rätsel „Preis-Leistungs-Verhältnis", Vergabe Navigator, Sonderheft 2016.
  5. Ferber. Was bedeutet „Preis-Leistungs-Verhältnis“ im Vergaberecht, blog.cosinex.de, 15.11.2016. 
  6. Ferber. Ein neuer Begriff von Wirtschaftlichkeit, Vergabe Navigator, Heft 3/2016, S. 5-10.
  7. Ferber. Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren, (ISBN 978-3-8462-0471-9), 10/2015 Bundesanzeiger Verlag.

Seminar Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Das Seminar Praxisratgeber Vergaberecht - Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen behandelt die Besonderheiten der Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen in Vergabeverfahren:
  • Welche Kriterien sind neben dem Preis möglich und erlaubt? 
  • Transparenzgebot 
  • Die richtigen Kriterien finden, Wirtschaftlichkeit der Angebote 
  • Ausschlusskriterien, Bewertungskriterien, 
  • Gewichtung von Kriterien 
  • Preis-Leistung 
  • Richtwertmethode, erweiterte Richtwertmethode, gewichtete Richtwertmethode 
  • Mittelwertmethode, Medianmethode, Referenzwertmethode 
  • Interpolationsmethoden, Preisquotientenmethode
  • Vor- und Nachteile, Besonderheiten der verschiedenen Methoden, Störanfälligkeit und Stabilität der Methoden 
  • Erstellen von Bewertungsmatrizen, Notenskalen 
  • Vermeiden von Komplexität, Analyse von Bewertungsmatrizen 
  • Auswertung mit Hilfe von Bewertungsmatrizen 
  • Rechtsprechung Beispiele und Tipps für die Praxis



Die Vorteile der Seminarreihe Praxisratgeber Vergaberecht:
  • anschauliche und realitätsbezogene Darstellung
  • aktuelle Beispiele und Tipps aus der Praxis
  • kleine Gruppen mit maximal 10 Teilnehmern
  • Zeit für Fragen und Diskussionen
  • umfangreiche Seminarunterlagen als PDF

Weitere Informationen zum Seminar und die Möglichkeit zur Anmeldung:

http://praxisratgeber-vergaberecht.de/seminar-bewertungsmatrizen.html




Die nächsten Termine:
08.12.2016 Darmstadt: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
16.02.2017 Leipzig: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
09.03.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
11.05.2017 Leipzig: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
18.05.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
22.06.2017 Hamburg: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
14.09.2017 Stuttgart: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
21.09.2017 Berlin: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen
28.09.2017 Köln: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Buch Bewertungskriterien und -matrizen im Vergaberecht



Thomas Ferber
Bewertungskriterien und -matrizen im Vergaberecht
ISBN: 978-3-8462-0471-9
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Sonntag, 29. Mai 2016

Die einfache Richtwertmethode als Bewertungsmethode im Vergabeverfahren

Bei der einfachen Richtwertmethode nach der Unterlage für Ausschreibung und Bewertung von IT-Leistungen (UfAB) (UfAB VI, Unterlage für Ausschreibung und Bewertung von IT-Leistungen. Version 1.0, 30.04.2016, S. 157-158) wird das wirtschaftlichste Angebot durch ein Leistungs-Preis-Verhältnis gebildet. Die Kennzahl zur Leistungs-Preis-Bewertung wird aus dem Quotienten der Leistungspunkte des Angebots und dem Angebotspreis berechnet.

Kennzahl = Leistungspunkte / Angebotspreis


Das Angebot mit der höchsten Kennzahl gewinnt.

Beispiel:
Im betrachteten Beispiel werden die folgenden drei Angebote gewertet:
Angebot 1: 60 Leistungspunkte; Angebotspreis = 65.000 Euro
Angebot 2: 75 Leistungspunkte; Angebotspreis = 74.000 Euro
Angebot 3: 100 Leistungspunkte; Angebotspreis = 100.000 Euro

Im betrachteten Beispiel gewinnt weder das Angebot mit dem niedrigsten Angebotspreis, noch das Angebot mit der höchsten Leistungspunktzahl. Angebot 2 hat im vorliegenden Beispiel das beste Verhältnis aus Leistungspunktzahl und Angebotspreis, also die höchste Kennzahl.

Preis-Leistungs-Diagramm

In einem Preis-Leistungs-Diagramm befinden sich auf der horizontalen Achse die Angebotspreise  und auf der vertikalen Achse die Leistungspunkte der Angebote. Jedes Angebot besteht aus einem Angebotspreis und einer Leistungspunktzahl und kann als Punkt in das Preis-Leistungs-Diagramm eingezeichnet werden.

Werden die Angebote als Punkte in das Preis-Leistungs-Diagramm eingezeichnet und jeder Angebotspunkt mit einer Geraden durch den Nullpunkt verbunden, gewinnt das Angebot, dessen Gerade im Preis-Leistungs-Diagramm die größte Steigung aufweist.

Preis-Leistungs-Diagramm - Kennzahl als Geradensteigung

Auch eine geringe Leistungspunktzahl kann bei entsprechend günstigem Angebotspreis zu einer hohen Kennzahl, d.h. zu einem hohen Preis-Leistungs-Verhältnis führen. Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen.

Beispiel:
Bei einer Ausschreibung werden maximal 1.000 Leistungspunkte vergeben. Insgesamt werden sieben wertbare Angebote abgegeben. Die sieben Angebote unterscheiden sich sehr deutlich im Angebotspreis und in der Leistungspunktzahl. Zwischen dem günstigsten Angebot A mit 100.000 Euro und dem teuersten Angebot G mit 1.000.000 Euro liegt ein Faktor von 10. Ebenso einen Faktor von 10 gibt es zwischen dem leistungsschwächsten Angebot A mit 100 Leistungspunkten und dem leistungsstärksten Angebot G mit 1.000 Leistungspunkten.

Welches der sieben Angebote soll den Zuschlag erhalten? Sehr oft liest man bei Ausschreibungen die Regel: „Bei Gleichstand gewinnt das günstigste Angebot“. In diesem Beispiel wäre dies das Angebot A. Angebot A hat aber nur 100 Leistungspunkte von maximal möglichen 1.000 Leistungspunkten erreicht. Der Zuschlag würde folglich auf ein billiges und qualitativ schlechtes Angebot erteilt. Um diese Schwäche der Bewertungsmethode zu beseitigen, muss zwingend eine minimale Leistungspunktzahl vom Auftraggeber vorgegeben werden.


Bei der betrachteten Bewertungsmethode (Quotient aus Leistungspunkten und Angebotspreisen, Z = L / P) aus der Bewertungsklasse II ist die Gewichtung immer 50% Leistung und 50% Preis.

Bewertungsmethoden mit unterschiedlichem Gewicht von Preis und Leistung 

Bei Vergabeverfahren besteht aber sehr häufig der Wunsch bzw. die Notwendigkeit Preis und Leistung unterschiedlich bei der Bewertung zu gewichten. Soll z. B. dem Preis eine deutlich größere Bedeutung bei der Wertung zukommen, so könnte eine Gewichtung des Preises mit 70% und eine Gewichtung der Leistung mit 30% wünschenswert sein. Auch der umgekehrte Fall ist denkbar, bei dem die Leistung stärker Berücksichtigung finden soll und der Preis mit 30% und die Leistung mit 70% gewichtet werden soll.

Ein Ansatz zur Umsetzung einer solchen Gewichtung sind die Bewertungsmethoden der Bewertungsklassen III und IV. (Ferber. Bewertungskriterien und Bewertungsmatrizen im Vergabeverfahren, S. 126ff.)

Weitere Informationen


Für alle die Ihr Wissen dazu vertiefen möchten, empfehle ich das Seminar Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen bzw. das Buch Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren.

Buch: Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren

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Sie können das Buch über jede Buchhandlung oder direkt beim Bundesanzeiger-Verlag bestellen.




 

 

 

Seminar: Wertungskriterien und Bewertungsmatrizen

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Hamburger Vergabetag 2016 - Workshop: Das wirtschaftlichste Angebot

Vom 21. - 22. Januar 2016 findet der Hamburger Vergabetag 2016 in der Handelskammer Hamburg, Adolphsplatz 1, 20457 Hamburg statt.

Am 22. Januar 2016 halte ich den Workshop Das wirtschaftlichste Angebot: Mit der “richtigen” Wahl der Zuschlagskriterien und deren Gewichtung sowie der Entscheidung für die geeignete Bewertungsmethode zum wirtschaftlichsten Angebot.

In der vierten und letzten Prüfungs- und Wertungsstufe wird unter den verbliebenen Angeboten das wirtschaftlichste Angebot ausgewählt, auf welches der Zuschlag erteilt werden soll. Doch was versteht man unter „Wirtschaftlichkeit“ und „wirtschaftlichstes Angebot“?

In welchem Verhältnis müssen Preise, Kosten und Leistung stehen, um ein optimales Zuschlagsergebnis zu erzielen? Wie können Qualität und
Leistungsfähigkeit bei der Zuschlagswertung berücksichtigt werden? Welche Zuschlagskriterien sind rechtlich zulässig bzw. unzulässig? Ab wann spricht man von Alibi-Kriterien? Wie können neben dem reinen Anschaffungspreis auch Gesamtkostenbetrachtungen (Betriebskosten, Folgekosten, Lebenszykluskosten ...) für die Zuschlagsbewertung Berücksichtigung finden?

Der Workshop "Das wirtschaftlichste Angebot" auf dem Hamburger Vergabetag 2016 geht mit Beispielen interaktiv auf diese Fragestellungen ein und zeigt, wie man durch die geeignete Auswahl von Zuschlagskriterien und deren Gewichtung, durch die Verwendung einer geeigneten Notenskala und die Verwendung einer geeigneten Bewertungsmethode zu dem wirtschaftlichsten Angebot kommt.


Zum Referenten:  Dipl.-Math. Thomas Ferber
Früherer langjähriger Key-Account-Manager für den Geschäftsbereich "Forschung und Lehre" bei Sun Microsystems mit der Sonderaufgabe Vergaberecht. Autor der Bücher „Bewertungskriterien und -matrizen im Vergabeverfahren“, „Fristen im Vergabeverfahren“, „Bieterstrategien im Vergaberecht“  und  "Schwellenwerte und Schätzung des Auftragswertes". Referent für Schulungen, Vorträge und Workshops zum Vergaberecht. Studium des Wirtschaftsrechts an der Universität des Saarlandes.